Bonitätsprüfung bei Bestellungen online, beim Abschließen von Mobilfunkverträgen, Schufa-Auskunft für den Mietvertrag: Bei vielen Gelegenheiten muss man seine Zahlungsmoral unter Beweis stellen. Auskunfteien helfen, die Vertrauenswürdigkeit von Vertragspartnern und -partnerinnen in finanzieller Hinsicht zu bewerten.

Mehr als eine einfache Auskunft

Banken, Versicherungen und Telekommunikationsunternehmen, aber auch der Versandhandel ziehen Informationen von Auskunfteien zu Rate, wenn es um den Umgang mit Kundschaft geht. Die Schufa speichert beispielsweise die Daten von derzeit mehr als 66 Millionen Menschen, daneben gibt es weitere Auskunfteien. Das Geschäft der Unternehmen sind Daten: Sie sammeln Informationen über einzelne Bürger, bereiten die Informationen auf und verkaufen sie an Firmen.

Die zweitgrößte Konsumenten-Auskunftei in Deutschland ist die Infoscore Consumer Data mit Informationen von knapp 8 Millionen Menschen. Das ist legal, die Speicherung und Übermittlung von Daten ist laut Bundesdatenschutzgesetz erlaubt.

Es gibt aber Einschränkungen. Die Daten müssen aus zugänglichen Quellen stammen und die Menschen müssen der Speicherung und Weiterverarbeitung zugestimmt haben. Das passiert (viele Menschen wissen das gar nicht) meist über die Zustimmung zu den AGB. Jeder Online-Kunde und jede Online-Kundin setzt dieses Häkchen, die meisten lesen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht.

Allerdings gehen Auskunfteien weiter: Sie stellen ein Scoring auf. Das ist in § 28b BDSG geregelt. Als Scoring bezeichnet man eine Prognose zum zukünftigen Zahlungsverhalten der Kunden, es geht um einen Wahrscheinlichkeitswert. Errechnet wird das Ales über ein wissenschaftliches mathematisch-statistisches Verfahren. Die Auskunfteien sammeln also weit mehr Informationen als nur die Anschrift, denn aus der kann man kein Scoring errechnen.

Wer wissen will, welche Auskunftei was über einen selbst weiß und weitersagt, darf laut § 34 BDSG einmal im Kalenderjahr eine kostenlose Selbstauskunft anfordern. Die Auskunfteien müssen die gespeicherten Daten in Form eines Textes mitteilen, müssen die Daten-Grundlage des Scorings transparent machen und mitteilen, wer Auskünfte erhalten hat.

Sinn der Auskunfteien

Kreditgeber benötigen zumindest eine grobe Idee von der Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden. Denn Geschäfte werden seit Jahrhunderten schon nicht mehr auf reiner Vertrauensbasis gemacht. Eine Mahnung wegen nicht bezahlter Rechnungen ist also schlecht, denn solche Informationen gehen an die Auskunfteien. Diese Auskunfteien sind grundsätzlich privatwirtschaftlich geführte Unternehmen, das gilt auch im Fall der Schufa.

Allerdings darf keine Auskunftei einfach so Daten herausgeben. Die Herausgabe von Informationen ist nur erlaubt, wenn ein berechtigtes Interesse von Seiten der Anfragenden vorliegt. Diese berechtigten Interessen sind genau definiert und liegen unter anderem dann vor, wenn jemand einen Kredit aufnimmt, einen Kaufvertrag abschließt oder einen Miet- oder Leasingvertrag abschließt.

Andere Auskunfteien

Neben den beiden bereits erwähnten Wirtschaftsauskunfteien gibt es weitere Unternehmen, die sich mit dem Verkauf von Informationen und Daten von Kunden und Kundinnen beschäftigen.

Die arvato AG beispielsweise ist führender Dienstleister in Sachen Daten-, inforamtions- und Forderungsmanagement. Hier werden die Leistungsbereiche Adressmanagement sowie Bonitätsprüfung und Inkasso abgedeckt.

Die CRIF Bürgel GmbH entstand 2017, als die Bürgel Wirtschaftsinformationen und Deltavista verschmolzen. Hier geht es um Kredit- und Bonitätsinformationen, speziell für Banken, Finanzdienstleistungen, E-Commerce, Telekommunikation und mehr. Das Unternehmen ist auf vier Kontinenten tätig.

Als Tochter der Deutschen Post AG ist die Deutsche Post Direkt führender Anbieter für Adress- und Dokumentenmanagement. Auch hier werden Daten von Bürgern und Bürgerinnen gesammelt, verarbeitet und weitergegeben.

Am wohl bekanntesten ist jedoch die Schufa Holding AG, die den Schufa-Score erstellt. Die Auskunftei beschäftigt etwa 750 Menschen und speichert knapp 800 Millionen bonitätsrelevante Informationen, die mehr als 66 Millionen Privatpersonen und mehr als 5 Millionen Unternehmen betreffen. Und zwar werden positive wie auch negative Daten gespeichert.