Die Kollegen von Gruenderszene haben über dieses Thema ausführlich berichtet und als Grundlage die umfassenden Recherchen des Magazins Spiegel genutzt.

Vor dem Vertragsabschluss oder dem Onlinekauf wird häufig eine Schufa-Auskunft verlangt. Journalisten des Spiegel haben jedoch kürzlich herausgefunden, dass die Schufa-Auskünfte in manchen Fällen äußerst fragwürdig sind.

Die Schufa funktioniert nach dem Prinzip einer Blackbox. Kaum jemand versteht so ganz, wie der sogenannte „Schufa-Score“ ermittelt wird, mit dem die Bonität eines Kunden überprüft wird. Die Journalisten des Spiegel haben in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk nun herausgefunden, dass die Bewertungen durch die Auskunftei in vielen Fällen bedenklich sind.

Viele Bundesbürger werden unverschuldet durch die Schufa als risikohaft eingestuft. Dies schrieben die Journalisten, die Schufa-Daten von mehr als 2000 Menschen ausgewertet haben. Diese Daten wurden im Rahmen des Projekts Openschufa.de gesammelt, das Verbraucher im Frühjahr 2018 dazu aufgerufen hat, ihre persönliche Schufa-Auskunft zu beantragen und diese anonym an die Journalisten-Gruppe weiterzuleiten. Besonders erstaunt waren die Journalisten über die Diskrepanz zwischen den Daten von Verbrauchern, über die die Schufa verfügt und dem tatsächlichen Score, der aus diesen Daten abgeleitet wird.

  • – Eigenen Angaben zufolge verfügt die Schufa von mehr als 90 Prozent aller Verbraucher nur über „positive Informationen“. Trotzdem wurde im Rahmen des Openschufa-Projekts jeder achte Verbraucher mit einem „erhöhten“ und in manchen Fällen sogar mit „hohem Risiko“ eingestuft.
  • – Bei rund 24 Prozent der Menschen im Datensatz verfügte die Auskunftei über lediglich drei oder weniger relevante Informationen aus dem Wirtschaftsleben. Diese können sich beispielsweise auf den Abschluss eines Mobilfunkvertrags oder der Eröffnung eines Bankkontos beziehen. Mehr als 20 Verbraucher im Datensatz wurden trotz einer solchen geringen Datenlage als „erhöhtes Risiko“ eingestuft.

Aus dem vorliegenden Datensatz haben die Journalisten außerdem herausgefunden, dass sich Kriterien, die eigentlich in keinen direkten Zusammenhang zum Wirtschaftsleben stehen, negativ auf die Schufa-Bewertung auswirken können.

  • – Insbesondere junge Männer scheinen von der Schufa als Risikogruppe eingestuft zu werden. Unter dem Stichpunkt „allgemeine Informationen“ bewertete die Schufa die Bonität anhand von Daten wie Geburtsdatum, Geschlecht und Anzahl gespeicherter Adressen. Im vorliegenden Datensatz werden hier Männer öfter als Frauen als Risikofälle eingestuft. Darüber hinaus wirken sich viele Umzüge innerhalb eines bestimmten Zeitraums negativ auf die Bonität aus.
  • – Des Weiteren sind veraltete Score-Daten in diesem Kontext problematisch. Bei diesen kommt dem Geschlecht und Alter eine noch wichtigere Rolle zu, als es bei den aktuellen Varianten der Fall ist. Das Problem in diesem Zusammenhang spiegelt sich in der Tatsache wider, dass Unternehmen in den meisten Fällen alte Score-Varianten angefragt haben.

In einem Fall, der den Journalisten vorliegt, haben die zweifelhaften Bewertungen der Auskunftei dazu geführt, dass einer Person die Erhöhung seines Kreditlimits abgelehnt wurde. Von den 30 größten Onlinehändlern in Deutschland behalten sich 27 das Recht der Bonitätsprüfung vor. Die Autoren schreiben, dass das Verfahren unschuldige Verbraucher treffen könnte, was dann zu einer Löschung der Bestellung führt. Als Reaktion auf die Recherchen und Enthüllungen forderte die Bundesjustizministerin Katharina Barley kürzlich mehr Transparenz von der Auskunftsstelle. Die SPD-Politikerin sagte, dass jeder Bürger das Recht haben soll, zu erfahren, welche Merkmale seine Bonität beeinflussen.

Bericht: Die Schufa „erklärt Menschen unverschuldet zum Risiko“
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